Katja Ebstein Stiftung - Für eine enkeltaugliche Zukunft
Auszug aus einer Zusammenfassung der Einschulungsuntersuchung Berliner Schüler 2005
Soziale und gesundheitliche Lage

Dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Familie und ein familiärer Migrationshintergrund die gesundheitliche Lage der Kinder beeinflussen, ist bekannt. Bei den Einschulungsuntersuchungen weist immer wieder ein nicht unerheblicher Anteil der Kinder gesundheitliche Probleme auf. Diese treten zudem häufig nicht vereinzelt, sondern gehäuft auf und weisen auf einen besonders dringenden Interventionsbedarf in der Gruppe der von mehreren Problemen betroffenen Kinder hin. Daher wurden mit den Daten der Einschulungsuntersuchung 2005 Analysen durchgeführt, in denen die Merkmale
  • soziale Lage und
  • Migrationshintergrund
zur Charakterisierung einer derartigen Problemgruppe herangezogen wurden.

Zur Beschreibung der gesundheitlichen Lage der Einschüler/innen wurden die fünf Problemfelder
  • Rauchen der Eltern,
  • Entwicklungsauffälligkeiten,
  • unvollständige Grundimmunisierung,
  • unversorgte Zähne und
  • Adipositas
ausgewählt.

Fast die Hälfte aller Einschüler/innen (47%) lebt in einem Haushalt, in dem mindestens ein Elternteil raucht. Ähnlich viele Kinder (44%) bekommen bei den sechs motorischen und sprachlichen Entwicklungstests, die bei der Einschulungsuntersuchung durchgeführt werden, mindestens eine Entwicklungsauffälligkeit bescheinigt.
Für einen Laien erkennbar kariöse oder sogar bereits abgefaulte Zähne, die auf eine unzureichende Zahnpflege hinweisen, haben 18% der Kinder. Eine Adipositas, liegt bei 5% der Einschüler/innen vor.
Nur ein knappes Viertel der Kinder (23%) ist von keinem der fünf genannten gesundheitlichen Probleme betroffen. Ein gutes Drittel (37%) weist eins der Probleme auf, ein weiteres Viertel (27%) hat zwei der Probleme. Insgesamt sind 13% der Einschüler/innen einer Gruppe zuzuordnen, in der von einer Häu-fung gesundheitlicher Probleme gesprochen werden muss, da bei ihnen drei (11%), vier (2%) oder sogar alle fünf (0,1%) der betrachteten Probleme vorliegen.
Betrachtet man die Risikogruppe mit einer Häufung von drei oder mehr gesundheitlichen Problemen differenziert nach der sozialen Lage (Abbildung 1), so ist ihr Anteil in der unteren sozialen Schicht mit 26% fünfmal so hoch wie in der oberen sozialen Schicht (5%). Anders ausgedrückt, gehören 60% der Kinder mit drei oder mehr gesundheitlichen Problemen der unteren sozialen Schicht an und nur 11% der oberen Schicht.

Abbildung 1:
Abbildung 1: Zusammenhang von sozialer Lage und gesundheitlichen Problemen bei Einschüler/innen in Berlin 2005 (n = 25.210) Zusammenhang von sozialer Lage und gesundheitlichen Problemen bei Einschüler/innen in Berlin 2005 (n = 25.210). Datenquelle, Berechnung und Darstellung: SenGesUmV - II A, Große Abbildung


Sozialräumliche Betrachtung
Neben sozialen und kulturellen Merkmalen der Familie wirken sich auch die Lebensbedingungen des Wohnumfeldes, in dem ein Kind heranwächst, auf seine gesundheitliche Lage aus.
Betrachtet man die Kumulation gesundheitlicher Probleme bei der Einschulungs-untersuchung in Berlin 2005 differenziert auf der Ebene der Statistischen Gebiete (Abbuldung 2), so fällt auf, dass es vor allem in den Außenbezirken Gebiete gibt, in denen nur 0% - 5% der Einschüler/innen von drei oder mehr gesundheitlichen Problemen betroffen und somit der oben definierten Risikogruppe mit Interventionsbedarf zuzuordnen sind. Vorwiegend im innerstädtischen Bereich, aber auch in einigen Stadtrandgebieten, steigt dieser Anteil jedoch bis auf über 20% an. In der Abbildung hell dargestellt sind die Statistischen Gebiete mit einem geringen Anteil von Kindern mit einer Kumulation gesundheitlicher Probleme. Je dunkler der Farbton, desto höher der Anteil der Kinder mit drei oder mehr Gesundheitsproblemen. Schraffiert dargestellt sind Statistische Gebiete, in denen keine Einschüler/innen wohnen. Statistische Gebiete mit weniger als 15 untersuchten Kindern wurden mit benachbarten Gebieten, nach Möglichkeit mit ähnlicher Sozialstruktur, zusammengelegt. Ein hoher Anteil von Kindern in der Risikogruppe ist vor allem in den so genannten sozialen Brennpunkten der Stadtteile (Alt-Bezirke) Neukölln, Kreuzberg, Wedding, Tiergarten und Schöneberg zu beobachten, aber auch in Teilen von Reinickendorf und Marzahn.

Abbildung 2:
Abbildung 2: Sozialräumliche Verteilung gesundheitlicher Probleme bei Einschüler/innen in Berlin 2005 auf Basis der Statistischen Gebiete (n = 27.639) Sozialräumliche Verteilung gesundheitlicher Probleme bei Einschüler/innen in Berlin 2005 auf Basis der Statistischen Gebiete (n = 27.639). Datenquelle, Berechnung und Darstellung: SenGesUmV - II A, Große Abbildung


© 2007 Zusammenfassung Katja Ebstein Stiftung

Der Bericht „Zur gesundheitlichen und sozialen Lage von Kindern in Berlin“ ist im Internet abrufbar unter: http://www.berlin.de/sen/gsv/statistik/gesundheit/spezial.html (siehe unten).

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